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Mittwoch, 6. Juli 2016

Reverse engineering: (Burdastyle 6/2013 #119)


This is how I reverse engineered the pattern Burdastylemagazin 6/2013 #119.
The black lines show my self definded standard block size 44, and the red ones indicate changes to the model.
The picture below shows the toile I made, using my personalised block.




Nachdem ich mir vor einiger Zeit meine Hemdbluse mit offensichtlichen Fehlern nähte, musste ich mir eingestehen, dass meine alte Grundprobe nicht mehr passt, weil meine Figur sich deutlich verändert hat.  Also habe ich mich aufgerafft und mir neuerlich eine Probe angepasst. Bei der Gelegenheit habe ich übrigens weiter an meiner Foto-Linien-Methode gearbeitet, dazu ist aber noch kein Blog-Post fertig aufbereitet.

Hier habe ich aber Fotos die den Unterschied nach der Anpassung verdeutlichen. Die Schrägzüge unter- und oberhalb der Brust sind verschwunden...


... und auch über der Hüfte fällt nun alles schön glatt:


In diesem Post soll es nun darum gehen, wie ich mir mit meinem vorliegendem Grundschnitt den o. g. Hemdblusenschnitt umkehrtechnisch erstellte.

Reverse engineering nennt man im angloamerikanischen Sprachraum ein solches Vorgehen, bei dem die Konstrukion eines kommerziellen Schnittmusters zurückverfolgt wird.

Einen Burda Grundschnitt gibt es eigentlich nicht, aber ich habe versucht ihn mir abzuleiten und dann ein Schnittbild erstellt.
Das was ich für mich als Burda-Basis Gr. 44 definiert habe,  ist hier im Bild überlagert mit dem Hemdblusenschnitt. Der Grundschnitt sind die schwarzen Linien und das Modell hat die roten Linien.
Dies ist nur der Bodice-Schnitt, denn Kragen, Knopfleiste und Ärmel waren für mich erstmal nicht relevant und wurden weggelassen.


Die Konstruktion der Hemdbluse ist insgesamt sehr nah am Grundschnitt.
Es gibt folgende Änderungen:
  1. Vertiefung des vorderen Halsausschnitts
  2. Vertiefung und Erweiterung des Armlochs
  3. Verkürzung des Brustabnähers
  4. Eliminierung der Taillenabnäher in Vorder- und Rückenteil
  5. edit:
    1.  Vergrößerung der Brustbreite im Vorderteil s. Mehrweite am Armloch
    2. Verlängerung u. Verbreiterung d. Rückens (geringfügig)
      (Punkt 5. und 6. wurden auf Hinweis in den Kommentaren nachträglich hinzugefügt)
    Etwas Kopfzerbrechen bei der Sache hat mir die Lage und Länge des Brustabnähers bereitet.
    Wo genau sollte die Spitze eines Brustabnähers liegen. Genau bis auf die Brustspitze ist doch eigentlich normal? Hat der BP aber eine Toleranz? Hat es auch damit etwas zu tun, dass im Schnittmuster aufgesetzte Brusttaschen vorgesehen sind und deshalb wird der Abnäher hier verkürzt?



    ---

    Gern höre ich was ihr so dazu meint. Vielleicht habt ihr zu der Schnittkonstruktion noch den ein- oder anderen Tipp für mich oder Erklärungen bereit?

    Liebe Grüße
    Immi

    Kommentare:

    1. Ich hab zwar keine Ahnung von Schnittkonstruktion, aber der Sitz dem neu angepassten ist ja mal so viel besser! Die Mühe hat sich gelohnt.

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      1. Vielen Dank! Ich finde die Linien/die Silhouette nach der Anpassung auch viel schöner.

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    2. In einem alten Nähbuch (leider weiß ich nicht mehr genau welches, vielleicht war es Schneidere Selbst) habe ich gelesen, der Abnäher würde zwei Zentimeter vor dem Brustpunkt enden. Ich selber mag das nicht so gerne, weil ich finde, es sitzt dann nicht richtig. Bei dem Ottobre Top, das ich letzten Dezember als karierte Bluse mit Schößchen genäht habe, war das allerdings auch so, da habe ich es dann gelassen.
      Die ausführlichen Beschreibungen deiner Herangehensweise lese ich immer sehr gerne und schaue bei Bedarf auch nach, wenn ich einen Tipp brauche.
      Was ist aus der Latzhose vom letzten Post geworden? Ich finde sie gut, kann mich für mich aber bisher nicht mit Latzhosen anfreunden (wahrscheinlich weil ich von 1979 bis 1982 gefühlt ständig Latzhosen getragen habe ;) )
      Liebe Grüße
      Susanne

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      1. Geht mir genau wie dir, ich mag es auch nicht wenn der Brustabnäher verkürzt wird. Mir ist es am liebsten wenn er zielgenau am Punkt endet. ;-) Hatte das Ottobre Top eine Brusttasche?
        Du fragst nach der Latzhose. Ich habe ein paar Fotos gemacht mit der weißen Bluse (noch Probe) zu der Hose und das hat mir gut gefallen. Hier auf Instagram habe ich sie gepostet:

        https://www.instagram.com/p/BHc544_jiZc/?taken-by=immi_meyer
        https://www.instagram.com/p/BHc763cjXfb/?taken-by=immi_meyer

        Mittlerweile finde ich die Latzhose auch richtig gut und denke ich könnte sie nähen. Tatsächlich werde ich aber wohl nur die Probe fertig zusammentackern ( jetzt ist geheftet) und die Latzhose dann zum Renovieren tragen. In nächster Zeit komme ich aller Vorraussicht dann auch nicht mehr so zum Nähen.

        Und übrigens: Ich kann mich noch sehr gut erinnern - Ende der 70er- Anfang der 80er - das wir diese Latzhosen trugen. 'Wir' ist allerdings nicht richtig weil an mir sahen sei unmöglich aus und ich habe stattdesssen nur die Maler-Arbeitshosen getragen. Du triffst sozusagen ins Schwarze und sprichst mein persönliches Latzhosentrauma aus meiner Jungen an, welches ich hier gerade aufarbeit. ;-)
        Für dich kann ich mir eine Latzhose sehr gut vorstellen und der Latzhosensewalong bietet sich ja zur Zeit auch an zum Nachlesen und für Inspirationen.

        Liebe Grüße
        Immi

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    3. Anonym7/06/2016

      Die Paßform ist wesentlich besser jetzt. Sehr schön (Vorderlänge könnte noch ein bißchen größer sein).
      An deinem Reverse Engineering fehlt noch die größere Zugabe an der Brustbreite (vielleicht 0.7 cm), denn vorne quer rüber ist jetzt mehr Stoff.
      Der Rücken ist n.m.Meinung auch verlängert so um 0.5 cm und ebenso verbreitert.
      Und die Taille ist erweitert (Abnäher jetzt nicht mitgezählt). ich hätte auch ein bißchen mehr an der Hüfte erwartet.
      (Armloch wird meist um den Betrag erweitert um den es vertieft wird)
      lg
      heidi
      Was mich umtreibt, ist die Schulterbreite hinten und vorne - wie stimmen die überein?

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      1. Danke für das Lob!

        Den Rest deines Kommentars muss ich jetzt erstmal 2x lesen damit ich verstehe. Aber genau deswegen poste ich sowas hier ja, damit ich wertvolle Tipps von euch in den Kommentaren einheimsen kann und überhaupt damit ich über das reden kann was ich in meinem Kämmerlein ausgebrütet habe.

        Die Verbreiterung des Rückens und des Vorderteils, ist das nicht durch die Armloch Veriefung- und Ereweiterung schon passiert. Dieses Bild hier zeigt was Burda mit dem Grundschnitt gemacht hat, meiner Meinung nach. Sehr interessant finde ich dass du sagst du hättest mehr Weite in der Hüfte erwartet. Das ist genau das was Ilse in ihrem Post zu diesem Schnitt bemängelt hat:
        Hier zu lesen:
        http://kiebitzkeller.blogspot.de/2015/10/12-tops-challenge-september.html

        Was die Schulterbreite betrifft... jetzt wo du es sagst sehe ich auch dass die Schulter hinten zuviel Mehrlänge hat. Bis zu 1cm darft die Schulter hinten ja länger sein, aber hier sieht es nach noch mehr aus. Nun habe ich ja meine eigenen Grudnschnitt für meine Probe zugrundegelegt und der hat ja auch einen Schulterblattabnäher hinten udn dort habe ich die Längen angepasst.

        Vielen Dank für deinen Kommentar.

        liebe Grüße
        Immi

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    4. Anonym7/06/2016

      Verbreiterung des Rückens und des Vorderteils, ist das nicht durch die Armloch Veriefung- und Ereweiterung schon passiert.
      Nein, Armloch ist Armloch. Wenn sich das Armloch verbreitert und vertieft, geht das nur in die Seitennaht nicht von Schulter zum Äremleiensazpunkt. Das ist eins der wichtigsten Dinge im Oberteilschnitt: die Dreiteilung des Brustumfangmaßes und wo da die Zugaben versteckt werden.
      lg heidi

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      1. Interessant! Das mit der Dreiteilung muss ich mir merken. Wir können/müssen hier jetzt aber davon ausgehen dass Burda auf weitere Zugaben im Modell einfach verzichtet hat!?

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    5. Anonym7/06/2016

      Immi,
      Im Prinzip der Blusenschnitt im Gegenteil zum normalen Oberteilgrundschnitt:
      Es gibt Erweiterung in der Rückenbreite. Des weiteren wird das Armloch verieft und verbreitert. Die Brustbreite wird verbreitert.
      Das Armloch wird eventuell verlängert: hinten indem der Rückenschulterabnäher und vorne ein Teil des Brustabnäners eingedreht wird. Das nennt man aufgelockert und die Schulterschrägung ändert sich damit. Der Schulterabnäher wird so eliminiert und der Brustabnäher verkleinert. Hier nicht so passiert.
      Die Taille wird erweitert und auch die Hüfte (Hüfte meist weniger als Taille, aber hier - Hüfte bleibt auf Grundschnittniveau)
      Der Rücken wird etwas verlängert in der hinteren Mitte. Damit ist mehr Länge vorhanden und es fällt schöner über die Hüfte.
      Das Halsloch wird vorne vertieft und meist erweitert an der Schulternaht und hinten prozentual vertieft.
      Das sind Entscheidungen des Designers und machen das Kleidungsstück aus. Was nun wo gemacht wurde, hast Du gut dokumentiert.
      lg
      heidi

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      1. Danke für diesen Kommentar! 👍 👏

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      2. Liebe immi, wenn ich so meine M&S-Bücher anschaue, ist das genau die Standardänderung bei Blusenschnitten (vom Kleidergrundschnitt ausgehend): Armloch vertiefen und erweitern, auch der Armausschnitt oben ganz leicht erhöht, die Armkurve neu ausgezeichnet (sie rückt etwas nach aussen) und wie heidi schrieb, wird auch meist der Rückenabnäher sowie der Brustabnäher heraus- bzw. etwas eingedreht und die Auflockerung erreicht (die bei mir aber irgendwie einen schlechteren Sitz ergibt, hab dann oft zuviel Stoff oberhalb des Busens). Bei dir ist vom Rückenabnäher nichts zu sehen, er ist also vielleicht schon in den Armausschnitt gedreht? Was den seitlichen Brustabnäher angeht habe ich auch noch nicht den Stein der Weisen gefunden, bei Jerseys lasse ich ihn gerne bis zum BP laufen (vor allem bei französischen Abnähern), bei einer lockeren Bluse ist etwas Abstand vielleicht günstiger (weniger Tüteneffekt?)Im allgemeinen wird meist ca. 3 cm Abstand empfohlen, bei grösserer OW sogar mehr. Ich hab das noch zu wenig ausprobiert, werde aber demnächst mal einen Blusenschnitt angehen.
        LG, berry

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      3. Hallo Berry,
        wenn du einen Blusenschnitt angehst, dann berichte mal! Schade dass du nicht auf Instagram postest. 'Sneak peaks' von den Fortschritten deiner Näharbeiten würde ich mir dort sehr gern ansehen!

        ( Blusenschnitt)
        Ja, mir scheint auch, dass Burda hier die Standards der Grundschnittänderungen für den Blusenschnitt auf einfachste Weise angewendet hat, um den Hemdblusenschnitt zu erstellen.
        Du fragst noch nach dem Schulterblattabnäher: Ich hab in dem von mir erstellten Burdagrundschnitt keinen drin, aber in meiner Probe dann doch. Meine Probe basiert ja auch meinem eigenen Grundschnitt und nicht aus dem in der Grafik.

        Liebe Grüße
        Immi

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